Ökologische Spiritualität

Ökologische Spiritualität ist für mich ein Dreh- und Angelpunkt. Eine Spiritualität, die den Anthropozentrismus hinter sich lässt. In der Ökologischen Spiritualität geht es um die Verbundenheit mit allem, was lebt – mit menschlichem, tierischem und pflanzlichem Leben und mit der Erde selbst. Der klassische Dreiklang von Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe wird um die Erdliebe erweitert. Ökologische Spiritualität ist daher eine erdverbundene, geerdete Frömmigkeitspraxis.

Die Ökologische Spiritualität hat eine leidenschaftliche Beziehung zur Natur. Mir geht es dabei aber nicht um Naturromantik. Für mich ist das etwas viel Tieferes. Wir befinden uns in einer gewaltigen ökologischen Krise, verursacht durch die Zerstörungskraft des Menschen. Das Anthropozän – der neue Abschnitt in der Erdgeschichte, in der der Mensch durch seine Naturzerstörung zum geologischen Faktor geworden ist – benennt es ja: Wir haben uns zum Mittelpunkt von allem gemacht. Unser Bewusstsein und unser Handeln ist durch und durch anthropozentrisch, also menschenzentriert. Und das gilt – leider – genauso für das Geistliche. Zwar wird heutzutage nicht mehr gepredigt, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei, aber unser theologisches Denken und unser geistliches Leben sind eben doch durch und durch anthropozentrisch ausgerichtet.

Und so ist der Begriff ökologisch in „ökologischer Spiritualität“ der Gegenbegriff zu anthropozentrisch. Den Wechsel von einer anthropozentrischen zu einer ökologischen Haltung kann man sich leicht merken als „from EGO to ECO“ (Otto Scharmer). Eine Ökologische Spiritualität ist also eine Spiritualität, in der der Mensch nicht als „Krone der Schöpfung“ verstanden wird, sondern als Teil des Gewebes des Lebens, als Erdling unter anderen Erdlingen.

Es ist eben nicht nur das Verhältnis Gott–Mensch theologisch relevant. Denn was ist mit unseren Beziehungen zu den nichtmenschlichen Mitgeschöpfen? Können diese nicht auch spiritueller Art sein? Was ist mit unserer Beziehung zur Erde, auf der wir leben – und die uns am dritten Tag der ersten Schöpfungserzählung sogar als Mit-Schöpferin vorgestellt wird? Indigene Traditionen kennen eine heilige Beziehung zu Mutter Erde und zur Muttererde. Im christlichen Kontext gilt das schnell als „esoterisch“. Was ist mit den Beziehungen zwischen Tieren, Pflanzen, Pilzen (den drei großen biologischen Reichen) untereinander? Könnten diese Beziehungen nicht auch eine geistliche Qualität haben? Wie sieht es mit der Beziehung Gottes zu unseren nichtmenschlichen Mitgeschöpfen aus, vielleicht pflegt Gott zu ihnen eine tiefe Liebe? Wir können über all das freilich nichts sagen – aber das heißt eben nicht, dass diese Beziehungen nicht existent wären!

Die Aufgabe des Menschen aus der Sicht der Ökologischen Spiritualität ist, die Erde zu pflegnutzen und zu hüten: Pflegnutzen bedeutet, mit der Erde in einer Art und Weise umzugehen, durch die sie gepflegt und geschützt wird. Das geht weit über Nachhaltigkeit hinaus, denn Nachhaltigkeit meint lediglich die Balance zwischen Degeneration und Regeneration. – Hüten ist eine Mischung aus Dasein, Mitfühlen, Lieben, leidenschaftlichem Verantwortlichsein und einem guten Schuss „Nicht-Tun“ (im Sinne von: nicht gegen den natürlichen Gang der Dinge handeln).

Projekte

Rund um Mitgeschöpflichkeit, leidenschaftlichem Naturbezug und erdverbundener Frömmigkeitspraxis habe ich zwei Seminare entwickelt:

Heimisch werden. Eine Einführung in die Ökologische Spiritualität (auf Anfrage)

Was dich trägt: Übungsgruppe zur Ökologischen Spiritualität (Herbst 2026)