Natur & Liturgie

Die ökologische Krise ruft uns „nach draußen“, in die Natur. Wir suchen und feiern die tiefe Verbundenheit – mit dem Göttlichen und mit uns selbst, mit unserer sozialen und mit unseren natürlichen Mitwelt. Dazu brauchen wir auch litugisch neue Formate, erdig und geerdet.

„Wild Church“ oder „Wilde Kirche“

Eines dieser Formate ist die aus dem Anglo-Amerikanischen stammende „Church of the Wild“, eine experimentelle Liturgie, die unseren Glauben erdet und unsere Verbundenheit mit der Schöpfung feiert. Hier ist ein kurzer Text zur Wild Church im Programmheft der Melanchthon-Akademie.

Ab und an biete ich eine „Wild Church“ in Köln an. Außerdem gebe ich Seminare, wie man diese Idee selbst umsetzen kann.

Mit dieser Wild-Church-Liturgie arbeite ich und hier gibt es meine Empfehlungsliste für Lieder, die sich gut für eine Wild Church eignen.

Im Herbst 2026 erscheint von mir ein Beitrag über die „Wilde Kirche“ im neuen Buch von Uwe Habenicht zur „Sharing Community“.

Naturliturgische Arbeit

Die „Wild Church“ ist ein konkretes Format, natürlich gibt es daneben noch viele weitere Ideen und Ansätze. Mich beschäftigt das naturliturgische Arbeiten generell.

Neben der (sehr kurzen) Empfehlungsliste für Wild-Church-Lieder, habe ich auch eine deutlich umfangreichere Liste aufgestellt mit Liedern rund um Schöpfungsspiritualität. Naturverbundenheit und Klimakrise.

Dieses kleine Handout stellt einige Natur-Qualitäten und ihre Bedeutung für liturgisches Arbeiten zusammen.

Einige Erkenntnisse rund um „Natur & Liturgie“

Die Welt ist voller (Lebe-)Wesen. Auch wir Menschen gehören dazu, aber wir sind nicht die einzigen. Wir leben in einer mehr-als-menschlichen-Welt.

Die Natur ist keine grüne Bühne für Freiluftgottesdienste und auch kein Medium für Verkündigung. Sie ist nicht Methode oder Mittel, sie ist unsere Heimat. Die einzige, die wir haben. Wir selbst sind Natur. Natur ist unser Dasein, unser Wesen – auch wenn wir das oft vergessen.

Liturgien und Rituale müssen der Qualität der Natur gerecht werden. Diese Qualitäten sind: zyklisch/kreisförmig, wild/schöpferisch, kooperativ, resonant, berührend, urteilsfrei und werdend & vergehend (ein paar Notizen dazu hier.)

Es geht nicht darum, Christliches in die Natur „reinzubringen“, sondern in allem Christus zu sehen (Richard Rohr). Die Texte der ca. zweitausend Jahre alten „zweiten Bibel“ (die Heilige Schrift) sind eingebettet in die Milliarden Jahre alte „erste Bibel“ (die Schöpfung), nicht umgekehrt.

Besondere Bedeutung haben die äußeren und inneren Zeiten, also das Naturjahr und die eigene biografische Entwicklung. Ebenso wichtig sind die inneren und äußeren Orte: die Seelenlandschaften, die wir in uns bergen, wie die umgebende Landschaft, in der wir uns bewegen.

Es gibt fruchtbare Ansätze, um Natur und Liturgie zu verbinden. Impulse setzen hier die Bewegungen von „Wild Church“ und „Forest Church“. Der Kirchenjahreskreis kann sich neu entfalten, wenn er sich wieder stärker auf den Naturjahreskreis bezieht. Schöpfungsspirituelle Ansätze können weiterentwickelt werden, wie zum Beispiel die „Kosmische Liturgie“.

Gute Anregungen findet man aber gerade auch in den nicht christlich geprägten Natur-Ansätzen wie der Initiatischen Prozessarbeit in der Natur (Visionssuche), der Wildnispädagogik, der Naturtherapie und der achtsamkeitsorientierten Naturarbeit – und nicht zuletzt in der Tiefenökologie, vorallem in der Active-Hope-Spirale von Joanna Macy.